08
Februar
2014

Es lebe der Tierversuch! Niederschmetterndes Urteil für Tierrechtler – Bundesverwaltungsgericht befindet die Kreiter-Affenversuche für rechtskräftig

Nach einem langen breit von der Öffentlichkeit verfolgtem Rechtsstreit wurden nun höchstrichterlich die negativ berühmten und großen moralischen Anstoß auslösenden Affen-Versuche von Prof. Kreiter für rechtskräftig erklärt.

C- by Linda Dahrmann pixelio.deBei diesen Versuchen werden Makaken (Affenart) Elektroden ins Gehirn operiert. Die Tiere werden dauerhaft unter Flüssigkeitsentzug gehalten, um sie dadurch gefügig zu machen und somit zur aktiven Mitwirkung am Experiment (Teilnahme an Aufgaben) zu zwingen, welche dann mit ein paar Tropfen Apfelsaft entlohnt wird. Die Affen leiden also permanent unter qualvollem Durst. Dabei müssen sie stundenlang, in einen sogenannten Primatenstuhl eingezwängt, stillsitzen und irgendwelche Aufgaben erfüllen (z.B. geometrische Formen am Bildschirm beobachten). Währenddessen werden ihre Hirnaktivitäten anhand der Elektroden gemessen. Prof. Kreiter praktiziert diese Versuche auf exakt diese Weise schon viele viele Jahre und hat sich damit viele Feinde gemacht.

Selbst die für Bremen zuständige Behörde, welche bei geplanten Versuchsvorhaben konsultiert werden muss, also jene, welche die Erlaubnis für sämtliche Tierversuche erteilt - und dies normalerweise auch außerordentlich freizügig tut - stieß bei Kreiter irgendwann auf ihre Toleranzgrenzen. Aufgrund der Tierart (hochentwickelt/Affen), der besonders hohen Belastungen für die Tiere und dem nicht greifbaren möglichen Nutzen für die Menschheit, wurde hier ausnahmsweise (und löblicherweise!) irgendwann keine Verlängerungsgenehmigung mehr erteilt.

Doch Kreiter weigerte sich die Entscheidung zu akzeptieren, entschloss sich die Genehmigung gerichtlich zu erstreiten und hatte damit leider auch Erfolg. Bereits das Oberverwaltungsgericht von Bremen gab Kreiter Recht. Es schloss sich seiner Sichtweise und Argumentation an. Die Versuche „[...] seien im Hinblick auf die hohe wissenschaftliche Bedeutung des Versuchsvorhabens ethisch vertretbar.[...]“ „[...] Auf der Grundlage der vorgelegten Sachverständigengutachten seien die Belastungen allenfalls als mäßig einzustufen. [...]“

Jeder zu Empathie fähige Mensch kann hier nur fassungslos den Kopf schütteln. Mäßig?makake-212824 150 Alle, die schon mal richtig heftigen Durst hatten, können sich die Leiden dieser Tiere sicher gut vorstellen. Mit Elektroden im Gehirn leben zu müssen, wird sicher auch nicht harmlos sein. Also unsereins (Mensch) hat schon Angst vor einem Besuch beim Zahnarzt. 

Darüber hinaus ließ das Gericht auch keine Revision zu diesem Urteil zu. Die darauf von der Stadt Bremen eingelegte Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig stieß auf ebenso kaltherzige Ohren und wurde abgewiesen (jetzt aktuell). Das gegenständliche Urteil wurde für korrekt befunden, die Ausführungen dessen bekräftigt. Man verdeutlichte, [...] das der Genehmigungsbehörde bei ihrer Entscheidung kein Ermessen verbleibe. [...]“.Damit ist es nun endgültig - Kreiter darf weiter seine Affen quälen, solange er will, solange es ihm gefällt.

Für die Tierrechtsbewegung ist das ein absolut niederschmetterndes Urteil: Da es eben ohnehin schon eine absolute Ausnahme war, das hier sogar eine der sonst emotionslos bürokratischen, immer blind zustimmenden Genehmigungsbehörden, mal keine moralische Rechtfertigung erkennen konnte, sich zum Einhalt gebieten verpflichtet fühlte, Mut zur Ablehnung des Antrages aufbrachte, ein Ende setzen wollte; ja, weil dies wirklich eine regelrecht legendäre Ausnahme darstellt, darum handelt es sich hier auch um einen sogenannten Präzedenzfall, welcher maßgebend für alle künftigen juristischen Entscheidungen in Tierversuchsfragen sein wird. Künftig werden also weiterhin für jedes noch so absurde Versuchsvorhaben, ganz egal wie unvorstellbar die Leiden für die betroffenen Tiere auch sein werden, wohl immer rein obligatorisch Genehmigungen erteilt.

Das betrifft vor allem die sogenannte Grundlagenforschung, also die Forschung rein zum Erkenntnisgewinn, ohne konkrete Vorstellungen, inwiefern der Menschheit dieses Wissen jemals nützen könnte. Ihr sind die unvorstellbarsten Grausamkeiten der Tierversuchsgeschichte zuzuschreiben. In ihrem Namen nämlich kann selbst der unsinnigste, absurdeste, groteskeste Tierversuch, der nur reine individuelle Forscherneugier befriedigt und gar kein konkretes Anwendungsziel verfolgt (so wie eben die Kreiter-Versuche) beantragt werden. Tja und ab nun muss auch wirklich alles genehmigt werden bzw. kann auch eingeklagt werden. Praktisch war das zwar schon immer so, also alles zulässig, alles fleissig behördlich durchgewunken, alles wie eh und je. Aber mit dem aktuellen Urteil wurde die rechtliche Basis dafür frisch zementiert, ein neues modernes Fundament gelegt, juristisch unmissverständlich definiert und verbindlich öffentlich klargestellt, dass sich in rechtlicher Sicht noch lange nichts ändern wird. Aufgrund der im Grundgesetz verankerten Freiheit der Forschung hat jegliches persönliche Bedürfnis eines Forschers nach „Rumexperimentiererei“ absoluten rechtlich geschützten Vorrang und sämtliche Bestreben zur (gesellschaftlich gewünscht und geforderten) Wahrung der Belange der Tiere müssen davor zurückstecken. Forschung ist Grundrecht, Tierschutz nur Staatsziel.

Der Antrag auf Zulassung stellt damit nur eine reine Formsache dar, eine Prüfung oder gar Regulierung von Tierversuchen ist damit nicht möglich, da schließlich immer zugestimmt werden muss. Nur eine formale Hürde also, kein tatsächliches Kontrollorgan. Nüchtern betrachtet erfüllt diese Prozedur also lediglich eine Alibifunktion zum Zwecke der Volksberuhigung, denn damit wird der (falsche) positive Eindruck vermittelt, man würde staatlich regulieren und sei bemüht Tierversuche aufs „Notwendigste“ zu beschränken.

Der Tierschutz steht zwar seit 2002 im Grundgesetz, doch scheint er das Papier nicht wert zu sein, auf dem er steht. In der Gesetzgebung ist er leider wie man sieht noch nicht angekommen.

C- by S. Hofschlaeger pixelio.deEin herber Rückschlag nicht nur für den Tierschutz, sondern auch für die Demokratie. Kreiters Versuche werden von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Es wurden mehr als 100.000 Unterschriften überreicht. Doch die Belange der Bürger sind halt ebenso niederranging, wenn auf der anderen Seite eine mächtige, zahlungskräftige Lobby steht, welche Präzedenzfälle zum Erhalt ihrer absolut grenzenlosen Handlungsfreiheit schaffen muss.

Kreiter jedenfalls triumphiert. Seit bald zwei Jahrzehnten schon experimentiert er fröhlich in der Gegend herum, natürlich ohne jemals irgendetwas Brauchbares dabei herausgefunden zu haben. Er selbst jedoch zeigt sich seit jeher tief überzeugt von seinem Projekt und bewertet die möglichen daraus zu erlangenden Erkenntnisse als wissenschaftlich wertvoll. Im Laufe der Jahre stellte er sich immer wieder den Fragen seiner Kritiker, versuchte wenigstens etwas Sympathie für sein von der Öffentlichkeit schwer verurteiltes Handeln zu gewinnen, denn es gab unzählige Morddrohungen gegen ihn. Seine Familie und er standen unter Polizeischutz.

So richtig überzeugen konnte Kreiter seine Gegner bisher nicht, muss er nun aber auch C- by S.Geissler pixelio.denicht mehr - Dank dieses folgenschweren, unsere Gesellschaft in jeder Hinsicht beschämenden Urteils. Ach liebe Justizia, Du bist wahrlich blind!

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche äußerte sich in Form einer Pressemitteilung zum jüngsten Geschehen und erhebt darin öffentlich starke Kritik: „[...] ist es eine fatale Fehlentscheidung der deutschen Justiz, das Quälen von Tieren zum reinen Erkenntnisgewinn einzelner Forscher als rechtmäßig zu beurteilen. In Deutschland wird seit über 30 Jahren Hirnforschung an Affen betrieben, vorgeblich, um damit Krankheiten wie Epilepsie oder Parkinson verstehen zu können - Therapien für menschliche Erkrankungen resultieren daraus jedoch keine.

Dagegen kommt moderne und klinisch relevante Hirnforschung ganz ohne Tierleid dem Menschen zu Gute. An der britischen Universität Durham beispielsweise wird mittels Transkranieller Magnetstimulation Wahrnehmung, Lern- und Gedächtnisverhalten an Probanden gefahrlos erforscht. Neben der ethischen Vertretbarkeit ist von Vorteil, dass für den Menschen relevante Ergebnisse erzielt werden, was am Affenhirn naturgemäß nicht möglich ist, da sich Affenhirn und Menschenhirn maßgeblich unterscheiden.[...]

Nicht nur aufgrund ihrer Grausamkeit sind die Versuche also abzulehnen. Auch wissenschaftliche Gründe fordern dringend ein notwendiges Umdenken in der gesamten Forschungsbranche. Davon sind inzwischen zahlreiche Fachleute überzeugt.

Bleibt nur zu hoffen, dass die moderne tierversuchsfreie Forschung irgendwann ihre Steinzeitkollegen wachrüttelt und diesem vorsintflutlichem Unfug durch simple technische Überholung ein Zwangs-Ende setzt, so wie das Handy die Wählscheibentelefone und der PC die Schreibmaschine ersetzte. Kreiters Äffchen ist aber sicher nicht mehr zu helfen.

 

Quellenangaben für die verwendeten Bilder:

Erster Makake, Portrait, im Gras:
© Linda Dahrmann  / pixelio.de

Gruppe/Menschenmenge/Crowd/Papierkette:
© S. Hofschlaeger  / pixelio.de  

Paragraf/Paragraph:
© S.Geissler  / pixelio.de 

 

 

  • Tags: Affenqual, Affenversuche, Beschwerde, Bremen, Bundesverwaltungsgericht, Epilepsie, Forschung, Grundgesetz, Grundlagenforschung, Grundrecht, Kreiter, Leipzig, Makaken, Oberverwaltungsgericht von Bremen, Präzedenzfall, rechtskräftig, Revision, Staatsziel, Tierschutz, Tierversuche, Unterschriften, Urteil

Categories: Informatives / Aktuelles

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