Warum ein Tier aus dem Tierheim?

Für viele Menschen kommt irgendwann ein Zeitpunkt, an dem sie in Erwägung ziehen, ein Haustier aufzunehmen. Das ist grundsätzlich ein wunderbares Bestreben, doch sollte man sich ausgiebig Zeit nehmen alles zu überdenken, bevor man dieses Vorhaben in die Tat umsetzt.


Dringend vorher informieren

Oftmals realisiert man in aller Vorfreude nicht, dass sich aus der Aufnahme dieses Tieres wirklich eine lebenslange Verpflichtung ergibt. Nicht selten weichen die eigenen Wunschvorstellungen plötzlich deutlich von der Realität im Alltag ab. Häufig benötigt man erheblich mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Geld, als zuvor einkalkuliert wurde.

Es ist daher dringend ratsam, sich schon vorab mit Fachliteratur zu befassen und ausgiebig im Internet zu recherchieren. Sich gezielt über die jeweilige Tierart zu informieren, ermöglicht, einen umfassenden Einblick in die richtige Pflege und den tatsächlich damit verbundenen Aufwand zu erlangen. Eine endgültige Entscheidung sollte erst nach selbstkritischer Abwägung aller Vor- und Nachteile fallen.
 

Haustier ja, aber bitte aus dem Tierheim!

Wer sich für die Aufnahme eines Haustiers entschieden hat, sollte bei der Suche nach dem geeigneten Kandidaten bitte niemals den Gang zum Züchter in Betracht ziehen. Denn für einen wirklich verantwortungsvollen Tierhalter sind sowohl Züchter, als auch Zoohandlungen absolut tabu. Den zukünftigen Weggefährten sucht und findet man idealerweise imTierheim oder einer privaten Pflegestelle.

Zu dieser Erkenntnis kommt man unweigerlich, wenn man mit den folgenden Fakten vertraut ist. Egal ob Hund, Katze, Hamster oder Vogel, jede nur denkbare Haustierart, sogar die exotischen, sie alle können auch aus einem Tierheim bezogen werden. Das Aufsuchen eines Fachzüchters ist nicht erforderlich.

Viele Menschen haben das Vorurteil, dass Tiere aus dem Tierheim einen psychischen Schaden haben und man sich damit nur „Ärger“ ins Haus holt. Man fürchtet, sie seien nicht verträglich oder zumindest etwas schwieriger und wünscht sich lieber ein „unbelastetes“ Tier. Tatsächlich haben viele dieser armen Seelen, die in einem Heim gelandet sind, schon schlechte Erfahrungen gemacht, gar schreckliches erlebt und haben daher möglicherweise Ängste oder zeigen seltsam wirkende Verhaltensmuster. Dies trifft jedoch niemals auf alle zu, denn das ist eine pauschale Verallgemeinerung, die einfach nicht fair gegenüber diesen benachteiligten Tieren ist.

Außerdem ist es grausam, diese Tiere auch noch für ihre schlimme Vergangenheit zu bestrafen. Wer ein Tierheim aufsucht, dem wird nicht entgehen, dass dort Tiere mit den unterschiedlichsten Eigenschaften und Vorlieben leben. Da gibt es ruhige oder sehr aktive, genauso wie schüchterne oder sehr aufgeschlossene. Jeder Interessent hat die Möglichkeit, sich ausgiebig mit seinem Favoriten zu beschäftigen und diesen intensiv kennenzulernen, bevor man ihn nach Hause nimmt. Auf diese Weise kann man schon vorab sicherstellen, dass die Chemie zwischen beiden Partnern stimmt.

Jährlich werden ca. 300.000 Tiere in deutschen Tierheimen abgegeben und sie alle warten auf ein neues Zuhause. Wer also beim Züchter oder im Zoofachhandel kauft, der nimmt einem Tier aus dem Tierheim die Chance auf ein neues Zuhause und besseres Leben.
 

Missstände bei Großzüchtern

Tierschützer decken im Zuge ihrer Recherchen immer wieder schockierende Missstände in der Zucht auf. Vor allem Kleintiere, aber auch immer mehr Hunde, stammen aus regelrechten Massenproduktionen von Großzüchtern. Wie immer, wenn Tiere ein wirtschaftliches Gut darstellen, zählt ausschließlich der Gewinn, auf Kosten der Gesundheit und Psyche der Tiere. Die Bedürfnisse des Einzelnen können nicht berücksichtigt werden. Wenn z.B. ein Tier krank oder verletzt ist, wird einfach der erzielbare Verkaufserlös mit den zu erwartenden Kosten einer medizinische Versorgung abgeglichen und falls das unrentabel scheint, erhält es eben keine Behandlung oder wird direkt getötet.

Viele Tiere werden in völlig überfüllten Käfigen gehalten. Andere wiederum sitzen alleine hinter Gittern, obwohl sie soziale Tiere sind. Fast immer werden die Jungtiere viel zu früh von der Mutter getrennt.

Jene Tiere, die keiner kaufen will (Ladenhüter), werden oftmals getötet und entsorgt. Die Tötung findet dabei häufig auf grausame Weise (z.B. durch Erschlagen oder lebendiges Einfrieren) statt.
 

Hat der Züchter wirklich die gesünderen und unvorbelasteten Tiere?

Leider hat sich in der breiten Masse weitläufig die Einstellung bzw. Vorstellung verbreitet, dass man nur beim Züchter die Chance hat, ein wirklich gutes (gesundes, braves,...) zu erwerben. Das ist ein Irrglaube und natürlich vollkommen falsch.

Denn wenn man sich diese oben geschilderten Zustände vor Augen hält, wird plötzlich deutlich klar: auch Tiere aus der Zuchtindustrie können psychisch vorbelastet sein und auch sie haben Verhaltensstörungen oder Krankheiten.
 

Missstände bei Kleinzüchtern

Doch sollte man jetzt nicht fehlfolgern, erschreckende Missstände wären nur bei industriellen Großzüchtern anzutreffen und es reiche, diese als Bezugsquelle zu meiden. Selbstverständlich sind auch kleine Züchter gewinnorientiert, der eine vielleicht mehr, der andere weniger, aber es steckt das selbe Prinzip dahinter und so findet man auch bei ihnen nicht selten unhaltbare Zustände vor.

Immer wieder berichten die Medien über Fälle, in denen Menschen vom Züchter todkranke Welpen erwerben. Kaum Zuhause angekommen, werden dann schon die ersten Beschwerden sichtlich. Dann ist es aber schon zu spät, man ist für das Tier verantwortlich. Auf die betroffenen Käufer kommt eine gewaltige Belastungsprobe zu, die sich seeeehr lange ziehen kann: unzählige Besuche beim Tierarzt werden erforderlich, enorme Summen für die Kosten der Behandlungen und Medikamente müssen aufgebracht werden, aber das Schlimmste für viele ist, tagtäglich das entsetzliche Leid ihres Tieres mitansehen und mitempfinden zu müssen. Dazu kommt, sie sind darauf schlicht nicht vorbereitet, hatten die Ankunft des neuen Familienmitgliedes mit großer Vorfreude erwartet, nur positive Vorstellungen von diesem Ereignis gehabt und sind letztendlich in einem „Daueralbtraum“ gelandet. Dieser Alptraum endet grausamerweise oft erst mit dem Tod des Patienten.

Erstaunlicherweise häufen sich auch Fälle, in denen nicht erst Zuhause die böse „Überraschung“ kommt. Hier befinden sich die Tiere in einem derart katastrophalen Zustand, dass der Käufer selbst als Laie dies bereits vor Ort erkennt. Doch leider macht das keinen Unterschied - gerade wenn die Missstände besonders offensichtlich sind, handeln die Kaufinteressenten irrational, sie nehmen das Tier trotzdem mit – aus falsch verstandenem Mitleid. Natürlich ist es schrecklich, ein leidendes Tier in seinem Elend zurück zu lassen, aber man muss sich bewusst sein, dass in der freien Wirtschaft das Angebot die Nachfrage bestimmt und dass jedes beim Züchter oder Händler gekaufte Tier – und sei es auch nur aus Mitleid – die weitere Produktion ankurbelt. Besser wäre es daher, umgehend des zuständige Veterinäramt zu informieren, damit der Züchter nicht so weitermachen kann.

Man findet unzählige solche Fälle im Internet, einfach nach „Züchter + krank“ suchen.


Fall man unbedingt ein Jungtier oder Rassetier will

Auch dann, wenn ein Züchter seine Tiere wirklich vorbildlich behandelt, sollte aus moralischen Gründen vom Kauf abgesehen werden. Der Charakter eines Tieres sollte über die Freundschaft zwischen Mensch und Tier entscheiden, nicht sein Aussehen, seine Fellfarbe oder bestimmte Rassenmerkmale. Doch auch wer solche Präferenzen hat und z. B. unbedingt ein Jungtier möchte oder eine bestimmten Rasse, sollte zunächst ein Tierheim aufsuchen. Dort hat man eine riesige Auswahl, verschiedenste Rassen, junge und alte Tiere - mit etwas Geduld wird man sicher sein Wunschtier finden. Niemand sollte die Produktion von Tieren fördern, wo doch unzählige bereits auf ein Zuhause warten.

Solange es eine Überpopulation an Tieren gibt und die Tierheime voll sind, kann der Gang zum Züchter moralisch nicht gerechtfertigt werden. Jeder sollte sich der Tragweite seines Handelns bewusst und entsprechend konsequent sein.

 

 

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