Tierversuchsstatistik

Die aktuellen, vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vorgelegten Tierversuchszahlen zeigen einen Anstieg von 2,78 Millionen im Jahr 2009 auf 2,86 Millionen im Jahr 2010. Das entspricht einem Anstieg um fast 70.000 Tiere oder 2,5 Prozent. Im Jahr 2010 wurden fast 2 Millionen Mäuse (69%), mehr als 442.000 Ratten (16%), rund 166.000 Fische (5,8%), etwa 106.000 Vögel, 2.789 Affen, 805 Katzen, 3.004 Hunde und Tiere vieler weiterer Tierarten im Namen der Wissenschaft gequält und getötet.

Seit 1989 veröffentlicht das BMELV jedes Jahr Daten über die Anzahl der in Deutschland verbrauchten Versuchstiere. Die Statistik berücksichtigt jedoch nicht alle im Tierversuch getöteten Tiere. So werden in der Gentechnik zur Erstellung von gentechnisch veränderten Tieren, zahllose Tiere 'produziert' und einfach getötet, wenn diese nicht den gewünschten Gen-Defekt aufweisen. Auch Tiere, die schon bei Zucht, Haltung und Transport sterben oder als Überschuss getötet werden, tauchen in der Statistik nicht auf.

Seit im Jahr 1989 mit der Datenerhebung begonnen wurde, ging die Zahl der Tiere von 2,6 Millionen auf eine Tiefpunkt von 1,5 Millionen im Jahr 1997 zurück. Seither gab es einen kontinuierlichen Anstieg

Etwa 35 % (990.909 Tiere) der Gesamtzahl beanspruchte die so genannte Grundlagenforschung. Rund 19 % (533.344 Tiere) wurden für die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln verwendet. Im Rahmen von Giftigkeitsprüfungen wurden 173.851 Tiere (7 %) getötet.

Besonders die Anzahl der Tiere, die für die Grundlagenforschung leiden und sterben müssen, steigt ständig an. Im Jahr 2003 wurden etwa doppelt so viele Tiere (850.710 Tiere) in diesem Bereich verbraucht als noch 1999 (438.000 Tiere). Im Jahr 2008 war der Tod von 867.074 Tieren in diesem Bereich zu verzeichnen und 2009 lag die Ziffer bei 917.070 Tieren und 2010 bei 990.909 Tieren.

Seit 2004 werden die zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tieren in einer eigenen Kategorie erfasst, d.h. 780.000 Tiere werden von den Zahlen der anderen Kategorien abgezogen. Die Anzahl der tatsächlich für die Grundlagenforschung verwendeten und getöteten Tiere liegt also viel höher, lässt sich aber aus der zur Verfügung gestellten Statistik nicht erkennen. Die ansteigende Entwicklung ist auf den erhöhten Verbrauch im Bereich der Gentechnik zurückzuführen.

Im Bereich der Giftigkeitsprüfungen ist seit Jahren ein Abwärtstrend zuverzeichnen auf 173.851 Tiere im Jahr 2010. Die gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche nehmen ebenfalls seit Jahren ab. Sie lagen 2006 bei rund 460.000 Tieren (18% der Gesamtzahl), 2008 bei 334.000 Tieren (18%) und 2010 bei 378.540 (13%). Der langfristige Abwärtstrend in diesen beiden Bereichen ist der wachsenden Anzahl der zur Verfügung stehenden tierversuchsfreien Methoden zu verdanken. Darunter sind Verfahren zu verstehen, die ohne lebende Tiere auskommen, also z.B. Zellkulturen, Gewebeschnitte, computergestützte Rechenmodelle und analytische Methoden. Auch klinische und epidemiologische Forschung zählt dazu. Solche modernen Forschungsmethoden sind verstärkt zu fördern. Tierversuchsfreie Testsysteme bieten im Gegensatz zum Tierversuch verlässliche, auf den Menschen übertragbare Ergebnisse.

Neben den offiziell erfassten Zahlen gibt es eine Dunkelziffer. Bereits bei Zucht und 'Vorratshaltung' werden 'überschüssige' Tiere getötet oder sterben schon vor dem eigentlichen Versuch bei Haltung und Transport. Versuchstiere werden üblicherweise nicht nach Bedarf gezüchtet, sondern im Überschuss, um jederzeit eine gewisse Anzahl von Tieren der einzelnen Arten, Alters- und Gewichtsklassen 'vorrätig' zu haben. Auch fehlen in der Statistik Tiere, die der Erstellung gentechnisch veränderter Linien dienen. Die Zahl der Tiere, die nicht die gewünschte genetische Veränderung aufweisen, wird auf 90 – 99 % geschätzt. Diese Tiere werden getötet und tauchen nicht in den Statistiken auf. Im Jahr 2010 wurden 722.793 transgene Tiere in der Forschung verbraucht, etwa 115.000 mehr als im Vorjahr. In Tierversuchen verwendete wirbellose Tiere wie Schnecken, Insekten und Krebse werden überhaupt nicht gezählt.

Quelle: www.aerzte-gegen-tierversuche.de

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